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Kundigen Besuchern meiner Homepage wird auffallen, daß hier nur noch ganz wenige Bücher zu finden sind. Keine Angst: Die alten sind nicht weg - ich archiviere sie von Zeit zu Zeit hier. Dort findet ihr die älteren Bücher in einer alphabetisch sortierten Übersicht.

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Andreas Eschbach: Solarstation / Kelwitts Stern
Bastei Lübbe 2001
683 Seiten

Dieses Buch enthält zwei Romane Andreas Eschbachs in einem Band.

Solarstation (302 Seiten)
Auf der japanischen Raumstation Nippon gibt es Probleme. Ihre Aufgabe besteht darin, Energie mit einem gewaltigen Segel aus Solarzellen zu sammeln und diese über einen Mikrowellenstrahl zu einem Empfangsgitter auf der Erde zu transferieren. Doch seit einigen Wochen lässt der Strahl sich nicht mehr präzise genug steuern, so dass die Energieübertragung immer wieder abgebrochen werden muss. Dann ereignet sich ein Mord: Einer der auf Nippon arbeitenden Wissenschaftler wird erschossen aufgefunden. Leonard Carr, der einzige Amerikaner auf der Station, war bisher nur mit Wartungsarbeiten beschäftigt. Jetzt wird er mit der Untersuchung des Mordes beauftragt, denn er ist gleichzeitig für die Sicherheit an Bord zuständig. Er kommt jedoch gar nicht dazu, weitreichende Ermittlungen anzustellen, denn ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Außerdem nähert sich eine angeblich außer Kontrolle geratene europäische Trägerrakete der Station und droht mit ihr zu kollidieren, gleichzeitig fallen alle Funkgeräte der Station aus. Carr begreift, dass die Nippon das Ziel eines Kaperversuchs geworden ist. Aber welche Pläne verfolgen die Angreifer?

»Solarstation« ist ein einfacher, geradliniger Weltraum-Thriller mit einer ordentlichen Portion teilweise recht drastischer Action und vielleicht etwas zu viel Technobabble – wobei diese technischen Erläuterungen durchaus eine reale Grundlage haben, was sie schon wieder interessant macht. Aktuelle Probleme unserer Zeit werden weitergesponnen und bilden den Unterbau für eine spannende Geschichte mit gesellschaftskritischen Untertönen. Man sollte übrigens nicht vergessen, dass dieser Roman lange vor den Anschlägen des 11. September 2001 geschrieben worden ist. Das verleiht den Beschreibungen der politischen Entwicklungen in diesem Roman eine geradezu prophetische Note…

Kelwitts Stern (381 Seiten)
Bei den Bewohnern des Planeten Jombuur ist es seit jeher Sitte, dass jedem Neugeborenen ein Stern geschenkt wird. Das hat dazu geführt, dass die Jombuuraner die besten Astronomen des Universums geworden sind, denn der Brauch wird seit Urzeiten gepflegt und es müssen immer wieder neue Sterne gefunden werden. Junge Jombuuraner besuchen »ihren« Stern im Rahmen der so genannten »Orakelfahrt«, um aus Anzahl und Stellung der Planeten und vielen anderen Anzeichen herauszulesen, welchen Lebensweg sie einschlagen sollen und was das Schicksal für sie bereithält. Auch der junge Kelwitt bricht eines Tages zu seiner Orakelfahrt auf. Mit einem kleinen Raumboot fliegt er in das System einer gelben Sonne ein, und als er herausfindet, dass der dritte Planet bewohnt ist, möchte er dort natürlich landen. Aber das ist streng verboten, außerdem ist Kelwitt kein Raumfahrer. Er wird zwar von Tik unterstützt, einem Computer, den er wie eine Spange auf der Schulter trägt, doch sein Schiff stürzt ab – und zwar mitten hinein in einen Heuschober auf der Schwäbischen Alb. Alsbald sind Geheimdienste, UFO-Forscher und Profitjäger hinter Kelwitt her. Doch davon ahnt er zunächst ebenso wenig wie die Stuttgarter Familie Mattek, die den niedlichen kleinen Kerl bei sich aufnimmt…

»Kelwitts Stern« zielt zwar sehr oft lediglich auf Pointen ab, enthält mit dem trotteligen BND-Agenten Hase ein etwas zu albernes Klischee und erinnert teilweise doch recht stark an den Film »E.T.«, aber amüsant ist der allemal. Natürlich entsteht die Komik hauptsächlich durch die Gegensätze zwischen jombuuranischer und irdischer Kultur. Kelwitt, der wie ein aufrecht gehender Delphin aussieht, bezieht seinen Wortschatz aus dem Jargon diverser TV-Serien und Werbespots, versteht weder die Ernährungs- noch die Fortpflanzungsmethoden der Menschen und weckt möglicherweise gerade deshalb das erotische Interesse der leicht nymphoman veranlagten Tochter der Familie Mattek. Die Geschichte nimmt dann aber noch einmal Fahrt auf, als es Kelwitt immer schlechter geht und als der Geheimdienst ihm allmählich auf die Spur kommt. Der »Showdown« gerät ungewöhnlich, denn im entscheidenden Moment öffnen sich überall auf der Erde die Blüten der »Augenöffnerblume«, deren Samen Kelwitt eingeschleppt hat. Der Duft dieser Blume führt dazu, dass alle Menschen sich plötzlich wirklich dessen bewusst werden, was sie gerade tun…

11.06.2006

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C.S. Lewis: Die Chroniken von Narnia – Der Ritt nach Narnia
Ueberreuter 2003
176 Seiten, gebunden

Im Land Kalormen, einem mächtigen Reich südlich von Narnia, lebt der junge Shasta bei einem armen Fischer, den er für seinen Vater hält. Shasta weiß nichts über das Leben außerhalb der ärmlichen Fischerhütte, in der er wie ein Sklave für seinen vermeintlichen Vater schuften muss. Eines Tages kommt ein mächtiger, reicher Herr (ein Tarkaan) zum Fischer und will Shasta kaufen, denn der Junge hat ungewöhnlich helle Haut und helles Haar. Shasta belauscht die Feilscherei der beiden Männer und erfährt auf diese Weise, dass er ein Findelkind ist – der Fischer ist gar nicht sein Vater. Noch größer als sein Erstaunen über diese unerwartete Nachricht ist Shastas Überraschung, als er plötzlich vom Pferd des Fremden angesprochen wird. Es stellt sich heraus, dass das Tier als Fohlen aus Narnia entführt worden ist, und dort sind sprechende Pferde keine Seltenheit. Gemeinsam mit dem Pferd, dessen unaussprechlichen Namen er zu »Bree« abkürzt, flieht Shasta nach Norden. Bree und Shasta wollen Narnia erreichen, das im Gegensatz zu Kalormen ein freies Land ist.

Unterwegs begegnen sie Aravis, einem Mädchen aus reichem Hause. Sie hat ein sprechendes Pferd namens Hwin und auch diese beiden wollen nach Narnia fliehen, denn Aravis soll mit einem widerlichen alten Wesir verheiratet werden. In der Stadt Tashbaan werden die Gefährten getrennt, denn Shasta sieht Corin, dem Sohn des Königs von Anvard (einem Land, das zwischen Narnia und Kalormen liegt) zum Verwechseln ähnlich, und Corin ist gerade mit einer Delegation aus Narnia in Tashbaan zu Gast. Er reißt jedoch aus und so geschieht es durch Zufall, dass Shasta seinen Platz an der Seite von König Edmund und Königin Susan einnimmt. Während Shasta erfährt, dass Prinz Rabadash von Kalormen Königin Susan um jeden Preis für sich gewinnen will, belauscht Aravis heimlich ein Gespräch zwischen eben diesem Prinzen und dessen Vater, dem Tyrannen von Kalormen. Die beiden planen einen perfiden Angriff auf Anvard und Narnia…

Der dritte Teil der Chroniken von Narnia wartet mit mehr Abenteuern und Kämpfen auf als die beiden vorherigen Bücher zusammen. Solange die Geschichte in Kalormen spielt, enthält sie (bis auf die sprechenden Pferde) kaum »magische« Elemente, sondern liest sich wie ein klassisches Jugendabenteuer. Auch der Stil unterscheidet sich sehr von den ersten beiden Büchern. Im Vordergrund steht zunächst die »orientalische« Atmosphäre – Kalormen ist ein Wüstenland, vergleichbar etwa mit dem Arabien der »Märchen aus Tausend und einer Nacht«. Möglicherweise sollen so die Unterschiede zwischen Islam und Christentum gezeigt werden. Sollte das die Absicht des Autors gewesen sein, dann ist der Versuch gründlich in die Hose gegangen, denn das Ergebnis ist allzu klischeehaft und viel zu einseitig ausgefallen. Spannend ist die Geschichte natürlich trotzdem, wenn am Ende auch wieder einmal Aslan als Problemlöser eingreifen muss.

Dies ist ein Buch, das für Kinder geschrieben wurde. Es gibt aber einige Aspekte, die den Roman auch für Erwachsene zu einem Lesevergnügen machen. Als Beispiele seien die launigen Wortgefechte zwischen den Machthabern Kalormens, die unglaublich naive Freundin der vor einer Zwangsheirat fliehenden Aravis und die originelle Lösung, die für die aggressive Haltung Kalormens gefunden wird, genannt.

05.06.2006

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Jens Lossau / Jens Schumacher: Das Mahnkopff-Prinzip
BLITZ-Verlag 2004
246 Seiten

Eine Serie mysteriöser Entführungen und Morde sorgt in der sonst so beschaulichen Stadt Mainz für Angst und Schrecken. Immer wieder verschwinden Menschen, deren Leichen einige Zeit später im Zustand völliger Blutleere aufgefunden werden. Die Presse sorgt natürlich sofort für die passenden Schlagzeilen und spricht nur noch von den »Vampiren von Mainz«. Was die meisten Menschen aber nicht wissen: Das Blut der Opfer ist keineswegs spurlos verschwunden, sondern es befindet sich in den Mägen der Leichen.

Das betagte Ehepaar Hajo und Ruth Feldblum ahnt nichts von diesen Vorfällen. Ruth ist an Leukämie erkrankt und will in Mainz einen Spezialisten zu Rate ziehen. Von einer Untersuchung in der Universitätsklinik kehrt sie jedoch nicht zurück. Voller Sorge wendet Hajo sich auf der Suche nach Hilfe an eine alte Freundin, die Pathologien Ines Lettweiler. Da die Polizei ganz offensichtlich im Dunkeln tappt, stellen Hajo und Ruth auf eigene Faust Recherchen an. Dabei stoßen sie nicht nur auf die Story von den Mainzer Vampiren, sondern entdecken eine Gemeinsamkeit, die den Behörden offenbar entgangen ist: Genau wie Ruth waren alle Opfer an Leukämie erkrankt…

Alle Spuren führen zunächst in die Vergangenheit, zu einem Nazi-Wissenschaftler namens Mahnkopff. Dieser offensichtlich wahnsinnige Arzt hatte die Theorie entwickelt, Leukämie sei heilbar, wenn man den Patienten ihr eigenes, vorher in einem speziellen Verfahren »gereinigtes« Blut zu trinken gebe. Allerdings ist Mahnkopff schon seit Jahrzehnten tot – oder möglicherweise doch nicht?

Eigentlich klingt diese Geschichte ganz nach einem Fall für die BKA-Sonderermittler Passfeller und Grosch, aber diese beiden von Lossau und Schumacher erdachten absonderlichen Figuren treten in diesem Roman nicht auf. Somit fällt schon ein großer Teil des seltsamen Humors weg, der die bisherigen Romane der beiden Autoren geprägt hat. Auf der anderen Seite fällt damit aber auch einer der Hauptkritikpunkte weg, die ich an diesen Romanen immer auszusetzen hatte: Während die Existenzberechtigung Passfellers und Groschs nämlich hauptsächlich in ihrer Skurrilität liegt, handelt es sich bei Hajo und Ines um recht gut charakterisierte Hauptfiguren, die durch nachvollziehbare Gründe motiviert werden und die auch wirklich etwas zur Lösung des Falles beitragen.

Hinzu kommt der Bonus des Lokalkolorits, denn dieser Roman spielt in Mainz und in Alzey, also in meiner Heimat. Allerdings ist dieser Bonus nicht mehr so stark ausgeprägt wie in den beiden ersten Romanen um Passfeller und Grosch, denn genau genommen könnte die Handlung auch irgendwo sonst stattfinden, d.h. es kommen nicht mehr so viele typische Schauplätze vor.

Wie so oft übertreiben Lossau und Schumacher es auch diesmal wieder mit der Schilderung verquerer Personen und abgedrehter Situationen. Hajos Schwerhörigkeit wird ein paar Mal zu oft thematisiert, der Auftritt eines schrillen weiblichen Fans des Fußballvereins Mainz 05 scheint nur auf ein paar Lacher abzuzielen. Die Polizei wird als so abgrundtief dämlich dargestellt, dass es wirklich weh tut – aber das musste wohl sein, sonst wäre es kaum nachzuvollziehen, dass zwei ältere Leutchen sich selbst auf die Spur der Entführer setzen.

26.05.2006

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Stephen King: Der Turm
Heyne 2006
1009 Seiten

Während Jake und Father Callahan den Vampiren und den Niederen Männern gegenübertreten, die im Dixie Pig tafeln, bringen Mia/Susannah Mordred zur Welt. Dieses Wesen, das gleichzeitig der Sohn des Scharlachroten Königs und Rolands ist, verwandelt sich sofort nach der Geburt in eine abscheuliche, spinnenähnliche Kreatur und saugt Mia aus, bis von ihr nur noch eine vertrocknete Hülle übrig ist. In der entstehenden Verwirrung gelingt es Susannah, sich selbst zu befreien. Auch Jake entkommt den Wächtern, aber Callahan bleibt zurück. Roland und Eddie sorgen derweil dafür, dass einige vertrauenswürdige Personen die „Tet-Corporation“ gründen, deren einziger Zweck darin besteht, die Rose zu beschützen und zwei anderen Firmen, die dem Scharlachroten König dienen, Paroli zu bieten. Nachdem das erledigt ist, treffen alle Mitglieder des Ka-Tet wieder zusammen und können sich gemeinsam auf den letzten Abschnitt des Weges zum Dunklen Turm machen. Mordred überlebt das Gemetzel im Dixie Pig. Er ist von Einsamkeit und Hass zerfressen und setzt sich auf Rolands Fährte, um ihn und seine Freunde bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu töten.

Die vordringlichste Aufgabe der Revolvermänner besteht nun darin, die Vernichtung der zwei letzten Balken und damit den Sturz des Dunklen Turms zu verhindern. Bei dieser Mission erhalten sie unerwartete Hilfe von drei »Brechern« (einer davon ist Ted Brautigan), die Roland mit ihren paranormalen Kräften zum Lager der Brecher im Land Donnerschlag bringen. Dort werden Dutzende von Telepathen und anderen Psi-Begabten unter durchaus luxuriösen Bedingungen gefangen gehalten. Sie ziehen es vor, nicht über ihr Dasein und ihre Tätigkeit nachzudenken. Ihren zerstörerischen Einfluss auf die Balken üben sie eher unbewusst aus. Da sie gut bewacht werden und möglicherweise nicht aus freiem Willen bereit wären, ihre zwar eingeschränkte, aber bequeme Existenz aufzugeben, entschließt Roland sich zu einem Überfall. Der Coup gelingt, aber das Oberhaupt der Wachmannschaft erschießt Eddie, bevor Roland ihn ausschalten kann.

Während Susannah um ihren Mann trauert, und während die beiden verbliebenen Balken sich allmählich regenerieren, reisen Roland und Jake ins Jahr 1999, denn sie haben erfahren, dass der Schriftsteller Stephen King am 19. Juni diesen Jahres bei einem Verkehrsunfall getötet werden soll. Das kann Roland nicht zulassen, denn Kings Aufgabe, die Geschichte des Dunklen Turms zu schreiben, ist noch nicht beendet. Kings Tod wäre vermutlich gleichbedeutend mit dem Ende allen Seins. Auch diese Aufgabe gelingt, King wird bei dem Unfall nicht getötet, sondern nur schwer verletzt. Doch der Preis für die Rettung des Schriftstellers ist hoch: Jake muss sich opfern. Nun ist Rolands Ka-Tet endgültig zerbrochen. Nur er selbst, Susannah und der Billy-Bumbler Oy sind übrig, und ihnen steht ein mörderischer Marsch durch die Einöde bevor, die sich zwischen Schloss Discordia und dem Dunklen Turm erstreckt – und Mordred verfolgt sie immer noch…

Wie schließt man ein Epos ab, das aus mehreren tausend Seiten besteht? Wie verknüpft man die unzähligen Handlungsfäden, löst all die über die Jahre hinweg aufgebauten Rätsel und führt die vielen Hauptpersonen ihrer Bestimmung zu? King scheint es selbst nicht so recht zu wissen, und so wird das große Finale dieses Romanzyklus, den ich nun schon seit über 20 Jahren verfolge, zu einer recht unbefriedigenden Angelegenheit, die viele Fragen offen lässt. Das eigentliche Ende ist allerdings akzeptabel, d.h. hätte Roland irgend etwas anderes im Obergeschoß des Dunklen Turms vorgefunden (mehr kann ich jetzt nicht sagen, ohne zu spoilern), dann wäre das Ende noch zweifelhafter ausgefallen. Für die anderen Mitglieder des Ka-Tet findet King eine andere, endgültige Lösung. Andererseits – so endgültig ist sie auch wieder nicht...

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine große Lust habe, zu diesem zwar gut lesbaren, insgesamt aber enttäuschenden Roman noch viel mehr zu schreiben. Denn er entwertet in meinen Augen den gesamten Zyklus. Auf der Habenseite stehen wie immer bei King die einprägsamen Charakterbeschreibungen und die (isoliert betrachtet) fesselnden Ereignisse. Aber ich mag weder die Art und Weise, wie King nachträglich versucht, alle möglichen anderen Romane aus seiner Feder mit dem Turm-Zyklus zu verknüpfen, noch seine Idee, sich selbst als zentralen Dreh- und Angelpunkt in die letzten Romane hineinzuschreiben. Vielleicht wurde er durch den hier beschriebenen Unfall, den er ja tatsächlich erlitten hat, doch stärker traumatisiert, als er selbst denkt?

Als ich das Buch beendet hatte, fragte ich mich, ob das alles gewesen sein könne. Ich will gar nicht anfangen, all die vielen Andeutungen und Rätsel aufzuzählen, die NICHT erklärt und aufgelöst werden. Die Auflösungen, die angeboten werden, insbesondere ist die ziemlich sang- und klanglose Beseitigung alter Widersacher, die über Jahre hinweg als ultimative Bösewichte aufgebaut worden sind, doch sehr dürftig. Ich nehme an, King wusste von Anfang an nicht, was aus dem Turm-Zyklus eigentlich werden sollte. Oder dass es überhaupt ein Zyklus werden sollte. Das merkt man den Romanen ab Band 4 überdeutlich an. So wurde nachträglich ein extrem wackeliger Überbau konstruiert, der all das endlose Geschwafel einfach nicht trägt.

Für den Turm-Zyklus gilt also wieder einmal der alte Spruch: »Getretener Quark wird breit, nicht stark«. Schade – vielleicht wäre es besser gewesen, wenn King es beim allerersten Roman belassen und nie eine Fortsetzung geschrieben hätte…

21.05.2006

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Dan Simmons: Olympos
Heyne 2006
957 Seiten

Vorgeschichte: Siehe »Ilium«.

Einige Monate sind vergangen, seit Achilles und Hektor sich verbündet und die vereinigten Heere der Griechen und Trojaner gegen die so genannten Götter geführt haben, die auf dem Olymp leben – und zwar nicht auf irgendeinem Olymp, sondern auf dem Olympus Mons, dem gigantischen Schildvulkan auf dem terrageformten Mars, der über ein Dimensionsloch (ein Bran-Loch) über Raum und Zeit mit der Erde verbunden ist. Durch ein solches Bran-Loch sind auch die Moravecs nach Ilium gelangt. Sie unterstützen seitdem die Menschen, die auf sich gestellt keine Chance gegen die Hochtechnologie der »Götter« hätten. Achilles hat schon zahlreiche Götter getötet, doch diese können sich selbst beliebig oft Re-inkarnieren und wieder aufs Schlachtfeld zurückkehren. Das Bündnis zwischen Trojanern und Griechen steht auf tönernen Füßen. Menelaos versucht Helena zu töten, einige aufgestachelte Trojanerinnen greifen die Griechen an und werden niedergemetzelt. Bald ist die Schlacht um Ilium wieder in vollem Gange. Die Götter intrigieren jedoch auch fröhlich untereinander und sind mit sich selbst beschäftigt. Hera schafft es sogar, den mächtigen Zeus in Schlaf zu versetzen.

Als die Götter beginnen, sich gegenseitig zu bekämpfen, bricht das Bran-Loch zusammen. Gerade noch rechtzeitig können die Moravecs sich zurückziehen. Nur Achilles bleibt auf dem Mars zurück, denn er hat Penthesilea getötet und sich nach ihrem Tod in die schöne Amazone verliebt, denn sie war mit einem speziellen göttlichen Pheromon-Parfüm präpariert, gegen das es kein Heilmittel gibt. Achilles versucht jetzt, auf den Olymp vorzudringen, um Penthesilea in den Wiederbelebungstanks der Götter ins Leben zurückzurufen. Dabei begegnet er dem Gott Hephaistos, den er zwingt, ihm zu helfen. Zusammen mit dem Handwerkergott dringt Achilles bis zu Zeus vor, wird von ihm jedoch in den Tartaros geschleudert, wo die Titanen hausen.

Die Moravecs haben in den vergangenen Jahren ein Raumschiff gebaut, mit dem sie zur Erde zurückkehren wollen. Die gefährlichen Quantenaktivitäten sind nämlich inzwischen so stark geworden, dass sie das Gefüge des Universums zu zerreißen drohen. Die Quelle dieser Aktivitäten scheint sich nun doch nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde zu befinden. Auf ihrem Flug nehmen die Moravecs sowohl Dr. Hockenberry als auch Odysseus mit. Hockenberry quantenteleportiert aber immer wieder nach Ilium zurück, weil er seine Griechen und Trojaner nicht im Stich lassen will. Er hat nicht mit Helenas Opportunismus gerechnet: Damit er sie nicht verraten kann, sticht sie Hockenberry nieder…

Auf der Erde fechten derweil die letzten »Altmenschen« einen verzweifelten Kampf gegen die aggressiv gewordenen Voynixe aus. In Ardis Hall und anderen Gemeinschaften haben die Überlebenden sich versammelt, aber gegen die Übermacht der biomechanischen Ungeheuer stehen sie auf verlorenem Posten. Daeman, der seit seinem Kampf gegen das Monstrum Caliban ein anderer Mensch geworden ist, beobachtet in Paris-Krater die Ankunft eines gigantischen Wesens, das die ganze Stadt mit Eis überzieht. Es ist Setebos, der alte Feind Prosperos, der jahrtausendelang auf dem Mars gefangen war. Setebos nährt sich von allem Bösen, das sich im Verlauf der menschlichen Geschichte in der Erde angesammelt hat, und würde den Planeten auf diese Weise unbewohnbar machen, wenn man ihn gewähren ließe. Währenddessen unternimmt Harman mit einigen Begleitern eine Expedition, von der er zunächst nicht zurückkehrt. Prospero und Moira, bei der es sich um eine jüngere Ausgabe Savis zu handeln scheint, haben eigene Pläne mit ihm…

Es ist unmöglich, die weit verzweigte Handlung dieses Romans einigermaßen verständlich zusammenzufassen. Es ist auch kaum möglich, nicht in Technobabble zu verfallen, denn auch dieser Roman strotzt – genau wie »Ilium« – vor Begriffen und Informationshäppchen, die entweder gar nicht oder nur andeutungsweise erläutert werden. Nicht alles davon ist fiktiv, die Idee der Bran-Löcher ist zum Beispiel der String-Theorie entnommen. Natürlich wird manches im Verlauf der Geschichte verständlicher – andere Informationen muss man aber wohl einfach als gegeben hinnehmen, auch wenn man nicht so genau weiß, welche Bedeutung sie eigentlich haben. Vielleicht weiß es ja nicht einmal der Autor. Es kommt mir nämlich so vor, als würde Simmons sich einfach nur hier und da bei diversen wissenschaftlichen Theorien bedienen, um seinen Ideen einen halbwegs plausiblen Anstrich zu verleihen, ohne sie richtig und verständlich erklären zu können.

Wer »Ilium« gelesen hat, will natürlich vor allem wissen, ob alle offen gebliebenen Fragen in »Olympos« beantwortet werden. Leider trifft das nicht in allen Fällen zu – und die Antworten, die gegeben werden, fallen für meinen Geschmack teilweise zu metaphysisch und zu undeutlich aus. So liest man denn gespannt ein Kapitel nach dem anderen (spannend bleibt das Buch durchaus bis zum Schluss), stellt am Ende dann aber leicht enttäuscht fest, dass irgend etwas zu fehlen scheint. Manches aus der fiktiven Geschichte der Menschheit bleibt verschwommen, auch werden die Motivationen und Ziele mancher Hauptpersonen nicht klar. Ärgerliche Kunstgriffe wie die durch nichts zu begründende Geheimniskrämerei all jener, von denen zum Beispiel Harman Antworten auf praktisch alle Fragen erhalten könnte, trüben den Gesamteindruck weiterhin.

Simmons spielt wie im ersten Teil ausgiebig mit Homers Ilias. Am interessantesten sind einerseits die Abweichungen von der überlieferten Mythologie und die Gegensätze zwischen Antike und Moderne, die ihren Ausdruck finden, wenn die griechischen Helden z.B. einen Satz so anfangen, wie ihn Homer geschrieben haben könnte, dann aber gleich wieder in moderne Umgangssprache abgleiten oder technische Begriffe verwenden, die so gar nicht zu ihrer Kultur passen wollen. Zitate aus und Anspielungen auf andere Werke der Weltliteratur sind über den ganzen Roman verstreut. Zentrale Rollen nehmen dabei Shakespeares Stücke ein, wie einige der Namen (Prospero, Caliban) schon vermuten lassen. Die Moravecs, empfindungsfähige, intelligente Roboter mit Bio-Komponenten, die sich für diese Literatur besonders interessieren, verhalten sich übrigens oft menschlicher als die verschiedenen Menschen-Typen selbst.

Insgesamt ist »Olympos« ein zwar anstrengendes, aber durchaus lohnendes Lesevergnügen, das allerdings so manchen Durchhänger aufweist. Außerdem hätte ich mir wie gesagt eine etwas handfestere Lösung gewünscht – ich mag es nicht, wenn miteinander verwobene Paralleluniversen und noch irrealere Theorien zur Erklärung herhalten müssen. Auch scheint mir, dass Simmons am Ende selbst ein wenig den Überblick über die verschiedenen Handlungsebenen und –zeiten verloren hat. Deshalb ist der Doppelroman leider nicht das Meisterwerk geworden, das ich mir erhofft hatte.

07.05.2006

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